Aktuelles
Bergisches Waldforum der SDW
Im Klimawandel dem Wald bei der Erholung helfen
Der Rekordbesuch mit mehr als 150 Teilnehmern und kein einziger freier Stuhl im großen Sitzungssaal des Kreishauses sind eindrucksvolle Belege für das große Interesse am Zustand des Waldes im Bergischen Landes. Nicht nur Waldeigentümer und Förster, sondern überwiegend waldbegeisterte Bürger, aber auch Politiker und Verwaltungsmitarbeiter - an der Spitze Landrat Arne von Boetticher - konnte Rainer Deppe zum Bergischen Waldforum der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) begrüßen.
Eine erfreuliche Mitteilung stand am Anfang. Zwei Tage zuvor hatte das Umweltbundesamt bei der Vorstellung der Emissionsdaten mitgeteilt: „die Erholung des Waldes hat begonnen, so dass der Wald inzwischen mit -19,3 Mio. t CO2-Äquivalenten wieder als Senke wirkt.“ Der Wald ist trotz seiner starken Schädigung inzwischen wieder der einzige Sektor, der mehr CO2 speichert, als er emittiert. Auch deshalb ist nach Meinung der SDW die Pflege und Stärkung des Waldes unter den Bedingungen des Klimawandels eine zentrale Aufgabe unserer Generation.
Wie Wetterextreme die Bergischen Wälder verändern
Wie sehr sich der Wald im Klimawandel verändert hat, konnte Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land, anhand der Ergebnisse der Landeswaldinventur eindrucksvoll zeigen. Waren vor 10 Jahren die Wälder im Bergischen Land noch zu 39 % Nadelwald, so sind es aktuell lediglich 22 %. Eiche und Buche sind hier mit je 20 % Anteil die häufigsten Baumarten. Sie haben die Fichte, die ehemals fast ein Drittel der Bäume stellte, eindeutig abgelöst. Von dem Borkenkäferfraß waren vor allem ältere Fichten betroffen; mit der Folge, dass der heutige 12-prozentige Fichtenanteil nur noch aus jungen Beständen, d.h. jünger als 40 Jahre, besteht. Für die Versorgung der Sägewerke und als Erlösquelle für die meist kleinen Waldeigentümer gibt es auf lange Sicht wenig Aussichten. Sorge macht, dass 17 % der Waldflächen derzeit unzureichend oder gar nicht wieder bewaldet sind. Dazu passt auch der Befund, dass in den letzten Jahren 10 Jahren auf 40 % der Waldflächen überhaupt keine Pflege und Bewirtschaftung stattgefunden haben. Zentrale Aufgabe der Forstpolitik ist, die Menschen zu begeistern, ihren Wald so zu pflegen, dass ein langfristig stabiler Mischwald entstehen kann.
Schulprojekt in Wermelskirchen: Analyse des Bodenzustandes
Dass Bäume nur dann gut anwachsen und langfristig vital bleiben, wenn der Boden gesund ist, war das zweite Thema des Abends. Schüler des Gymnasiums Wermelskirchen hatten gemeinsam mit der SDW an 30 Stellen Bodenproben genommen und deren Säuregehalt bestimmt. Der Initiator dieses Projektes, Robert Schmitz, Vorstandsmitglied der SDW aus Wermelskirchen, stellte das Projekt und die Ergebnisse vor. Sie bestätigen die Empfehlungen des Geologischen Dienstes des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit pH-Werten von 3,5 bis 4,2 ist der Waldboden als Spätfolge des sog. Sauren Regens bis in die 1990er Jahre durchweg zu sauer. Auf den meisten Waldflächen ist eine Kalkung erforderlich bzw. sogar dringend erforderlich.
Bodenzustand und Bodenfruchtbarkeit in Wäldern von NRW
Der Forstwissenschaftler Dr. Norbert Asche erläuterte in seinem Vortrag die negativen Folgen von Bodenversauerung: an der Baumwurzel, für das Bodenleben, Verlust an Biodiversität, Bodenverdichtung, geringe Humusbildung, verminderte Produktivität, Belastung des Grundwassers mit Aluminium, Mangan und Eisen. Dr. Asche hielt ein Plädoyer für die Bodenschutzkalkung mit Kalkgestein zur Schaffung eines Bodenzustandes, in dem Bodentiere, insbesondere Regenwürmer, aktiv sein können, in dem Bodenhumus gebildet wird und toxisch wirkende Säurekonzentrationen vermieden werden. So können sich die Wurzeln gut entwickeln, Blätter und Nadeln mit Nährstoffen versorgt und die natürliche Verjüngung der Waldbäume gefördert werden. Sein Fazit: Bodenschutzkalkung mit 3 Tonnen Kalkgestein je ha stärkt die Vitalität, die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit der Waldökosysteme.
Die Zitterpappel, Baum des Jahres 2026
Traditionell stellt SDW-Vorstandsmitglied Louis Altinkamis den Baum des Jahres vor; in diesem Jahr die Zitterpappel. Der Baum hat in Europa und Asien ein riesiges Verbreitungsgebiet, da er geringe Ansprüche an den Boden stellt, frostresistent ist und auch mit geringen Niederschlägen zurechtkommt. Zitterpappeln werden zukünftig auch im Bergischen Land verstärkt anzutreffen sein. Die anspruchslose Pionierbaumart gedeiht besonders gut auf Freiflächen, von denen es derzeit reichlich gibt. Ihre ökologische Bedeutung als Futterpflanze für Schmetterlinge und andere Insekten und ihre Schnellwüchsigkeit, die für eine rasche Bodenbedeckung sorgt, machen die Zitterpappel zu einer auch bei uns interessanten Baumart. Das helle, leichte und sehr weiche Holz findet Verwendung für Verpackungen, Zündhölzer, Eisdiele oder Paletten.
Unsere Verpflichtung: auch in 150 Jahre vitale Wälder im Bergischen Land
Nach 3 Stunden geballter Information waren die Anwesenden in ihrer Überzeugung bestärkt: der Wald im Bergischen Land ist unverzichtbar und wenn wir ihn heute unter den Bedingungen des Klimawandels zu mehr Vielfalt entwickeln, wird es auch in 150 Jahren noch vitale Wälder im Bergischen Land geben.